Kosovo, Albanien, Montenegro

Warum gerade diese drei Länder. Es fing an mit Andreas Wormser, der früher an der Schweizerischen Botschaft in Pristina arbeitete, dann zusammen mit zwei Roma-Freunden das Hotel Graçanica eröffnete. Wer immer ihn besuchte erzählte von den kranken und leidenden Hunden, ausgesetzt auf der Strasse. Diese Berichte waren so belastend, dass ich beschloss hin- statt weg zu schauen. Es ist nach wie vor belastend, aber es sind zumindest im Kosovo positive Veränderungen erkennbar. Namentlich gibt es junge Leute, die diese Situation nicht einfach hinnehmen wollen - sie alle tragen dazu bei, den Druck auf die jeweilige Regierung aufzubauen, um sie zum Handeln zu bewegen (Kastrieren, Chippen, Registrieren, Erziehen).

In Albanien sieht es von Ort zu Ort anders aus. Während in Shkodra die Bürgermeisterin 2018 zusammen mit unserer Partnerorganisation Pro Qen Albania Massnahmen zur Behandlung der Strassenhunde unternahm, wurden in Tirana auf Anordnung des Bürgermeisters tausende Hunde getötet. Ob das neue, seit 2019 geltende Tierschutzgesetz, seinem Handeln ein Ende setzt, bleibt abzuwarten. Ganz im Süden des Landes in Fieri und im Norden in Durrës unterstützen wir den Schweizer Verein JETA Tier und Mensch, der kleine aber gute Kastrationsprojekte durchführt und damit Modelle setzt, wie die Situation lokal verändert werden kann.

Aus Montenegro erreichten uns immer wieder Hilferufe. An der Küste gibt es zunehmend Touristen, die berichten können. Trotzdem haben wir uns entschlossen, einen Ort in den Bergen für unsere Modellarbeit auszuwählen, die Stadt Niksic, weil die Stadt zwar ein überfülltes Tierheim hat, aber gemäss örtlichen Aktivisten die Hunde nicht umbringt. Zeit für uns, ein Zeichen zu setzen - wie man mit sog. "Community Dogs" leben kann. Dieses Land hat einen Vorteil: Seit Herbst 2019 sind die Hundebesitzer verpflichtet, ihre Tiere zu chippen. Das Aussetzen wird damit erschwert. Und im Juni 2020 konnten wir nach langen Verhandlungen mit der Stadt Niksic einen Vertrag für unsere Partner-Tierärzte Family Vet Niksic erreichen. Demnach werden die von uns kastrierten Hunde nicht mehr eingefangen und ins Tierheim verbracht. Die Kontrolle ist perfekt, denn unsere Partner sind nun auch für die Strassenhunde im Tierheim zuständig - und seither sind dort keine Hunde mehr über Nacht verschwunden.

 

Obschon wir nicht unbeschränkt finanzielle Mittel haben, erlaubt es uns die ab Januar 2020 vorgesehene landesweite staatliche Kastrationsarbeit im Kosovo die dort freigesetzten Mittel für Montenegro zu verwenden. Im Kosovo bleibt die Investition für eine zweite Durchgangsklinik im Nord-Osten vorrangig. Ab September werden wir wieder Strassenhunde behandeln - und die Notfallhilfe ist ununterbrochen gegeben.

 

Typisch für alle drei Länder sind die kleinen Tierarztpraxen im Zentrum einer Stadt. Dort sind keine Massenkastrationen möglich. Die Räume sind winzig und bescheiden eingerichtet. Die Tierärzte sind fast ausnahmslos auf Grosstiere spezialisiert - geht es dort doch um die Ernährung. Doch die Wahrnehmung für das Elend der Haustiere, auch der Katzen, nimmt zu. Wenn wir regional in Kleintierkliniken investieren, erzeugt dieses Angebot auch Nachfrage, insbesondere wenn wir zusätzlich es Menschen ohne oder mit wenig Einkommen ermöglichen, ihre Tiere unentgeltlich bei uns kastrieren und behandeln zu lassen.